Gebrauchsfähigkeit von Werkzeugen richtig beurteilen und nötigenfalls verbessern

Diese Werkzeughefte wurden erfolgreich erneuert.Korrekt angeschliffene und abgezogene Schneiden an Drechsel- und Schnitzwerkzeugen sind zweifellos die Grundvoraussetzung für sauberes und unfallfreies Arbeiten. Zahlreiche Schärfmethoden werden in der Fachliteratur und im Internet beschrieben. Ich möchte deshalb hier auf einige andere mögliche Mängel und Abhilfemöglichkeiten eingehen, die solche Werkzeuge aufweisen können. Besonders vor dem Erwerb gebrauchter Werkzeuge ist es wichtig, zu wissen, worauf man achten sollte. Aber auch an neuen Werkzeugen finden sich leider manchmal Mängel, die zumindest Nacharbeit erfordern, in seltenen Fällen sogar einen Reklamationsgrund darstellen können. Auch das vorhandene Werkzeug sollte von Zeit zu Zeit kritisch geprüft und nötigenfalls sofort in Ordnung gebracht werden. Vor kurzem habe ich einige alte Bildhauerbeitel in einen gebrauchsfähigen Zustand versetzt. An diesem Beispiel möchte ich hier zeigen, wie man Schwachstellen aufspürt und wie man in vielen Fällen Abhilfe schaffen kann.

 

Bild 1: Verschlissene Werkzeughefte müssen umgehend ersetzt werden.

Bild 2: Mangelhafte Beitel

Bild 3: Kronensäge zum Versenken der Zwingen

Bild 4: Die beschädigten Hefte wurden erfolgreich ersetzt

Bild 5: Werkzeugwickel

In besonders schlechtem Zustand, aber dafür für einen zünftigen Holzwerker auch am leichtesten zu ersetzen sind die Werkzeughefte. Wie Bild 1 zeigt, wurde offensichtlich auch vor 80 Jahren schon am falschen Fleck gespart. Das stark drehwüchsige Holz hätte schon damals im Ofen bessere Dienste geleistet. Die meisten dieser Hefte waren mehr oder weniger gespalten und wurden nur noch vom Rost gehalten, den die Angel angesetzt hatte. Auch die Rückseiten sind durch langen Gebrauch oder zu kräftige Schläge mit dem Knüppel beschädigt und können Blasen und andere Verletzungen des Handballens verursachen.

Bild 2 zeigt Detailaufnahmen von drei Beiteln mit weiteren Mängeln. Das linke Eisen sitzt nicht mittig im Heft und die teilweise hervorstehende Krone bildet eine scharfe Kante, die die Freude an der Arbeit mit diesem Beitel ebenfalls stark mindert. Ein passender fachgerecht angeschlagener Griff ist nötig. Für die nächsten beiden Werkzeuge würde ich kein Geld ausgeben: Beim mittleren Eisen hat der Spiegel tiefe Löcher, die durch Handschweiß verursacht wurden. Hier hilft nur schleifen und auspolieren des gesamten Spiegels in aufwändiger Handarbeit. Das rechte Eisen ist durch häufiges Nachschleifen bereits sehr kurz geworden. Da bei diesen alten handgeschmiedeten Eisen der hintere Bereich nicht durchgehärtet ist wird man daran nicht lange Freude haben.

Nachdem die beschädigten Hefte von den Werkzeugen entfernt wurden und die nach Erfordernis entrostet, von störendem Grat befreit und poliert wurden, benötigen wir nun neue Hefte. Die kann man zwar kaufen, aber die Eigenfertigung bietet nicht nur Vorteile wie auf die eigenen Bedürfnisse und Vorlieben zugeschnittenes Design Kostenersparnis, Verwertung von Holzresten, die vielleicht schon jahrelang in der Werkstatt auf eine sinnvolle Verwendung warten.

Ob man runde oder eckige Hefte bevorzugen soll, hängt ab vom persönlichen Geschmack und davon, ob man lieber drechselt oder hobelt. Für die Arbeit mit den Werkzeugen hat die Form nach meiner Erfahrung keine wesentliche Bedeutung. Wichtiger sind die richtigen Proportionen zur Größe des jeweiligen Werkzeuges und der eigenen Hand. Auch das Argument, dass Werkzeuge mit achteckigem Heft nicht vom Tisch rollen, nehme ich nicht so ernst, denn ich lege meine Werkzeuge immer auf einer weichen Unterlage ab.

Wichtiger ist die Entscheidung, ob die Hefte mit einer Zwinge versehen werden sollen oder nicht. Die Hefte aller meiner Drechselwerkzeuge habe ich mit Zwingen versehen, die ich aus passendem Messingrohr angefertigt habe. Bei Bildhauerbeiteln finde ich solche Zwingen persönlich als nicht so schön. Andererseits zeigt ja Bild 1 eindrucksvoll, wie Hefte ohne Zwinge früher oder später einmal enden. So entschloss ich mich schließlich die Zwingen zu versenken. Bild 3 zeigt die Lochkreissäge, die ich mir für diesen Zweck aus dem gleichen Messingrohr angefertigt habe, aus dem ich auch die Zwingen gemacht habe. Der runde Rohling aus Nussbaum und der achteckige aus Esche sind bereits gebohrt und die vorbereiteten Ringe können eingeschlagen werden. Die Ringe sollten auf dem Holzkern straff sitzen und zu der äußeren hölzernen Ummantelung etwas Spiel haben. Das kann man erreichen, indem man entweder jeden zweiten Zahn der kleinen Kronensäge ganz leicht nach außen „schränkt“, oder indem man die Messingringe vor dem einschlagen außen etwas abschleift. Danach geht’s ans Drechseln bzw. aushobeln der Hefte. Wer eine Drechselbank besitzt kann auch bei den achteckigen Heften das hintere Ende schön ballig drechseln. Aber mit schnitzen und geduldigem schmirgeln kommt man ebenfalls zum Ziel.

Auch wenn die verdeckte Zwinge den Griff vor dem Platzen schützt ist beim Einschlagen der Angel Sorgfalt und Umsicht geboten. Da alte Werkzeuge im Bereich der Angel nicht gehärtet sind, kann man sie verbiegen. Im gehärteten bereich kann das Werkzeug sogar brechen. Ich bohre passend zur jeweiligen Angel eine Stufenbohrung mit drei unterschiedlichen Bohrern und benutze dann die Angel gewissermaßen als Reibahle, um diese Bohrung aufzuweiten, bis die Krone noch etwa 1cm vom Heft entfernt ist. Dann wird das Eisen zwischen wichen Schutzbacken vorsichtig eingespannt und der Griff mit dem Bildhauerknüppel bis zur Krone eingeschlagen. Abbildung 4 zeigt einige der instand gesetzten Werkzeuge mit unterschiedlichen geformten Heften. Als Holzarten kommen fast alle mittelharten Laubhölzer in Frage. Besonders schön sind einheimische Obsthölzer zu verwenden. Lediglich von Eiche und Kastanie würde ich wegen des Gerbsäuregehaltes abraten.
Abschließend habe ich die Griffe zweimal mit „Danish Oil“ behandelt. Ein dicker Lackauftrag wie man ihn an manchen käuflichen Heften findet (Tauchlackierung) empfinde ich als unangenehm. Besonders wenn sich im „Schnitzfieber“ etwas Handschweiß bildet, hat man hier keinen festen Halt.