HolzfeuchtemessungZu Besuch in Thüringen. Gemeinsamer Waldspaziergang. Fachsimpelei über Grünholzdrechseln. Leider muss ich gegenüber meinem Freund Manfred zugeben, dass ich damit bisher wenig praktische Erfahrungen sammeln konnte.

Bei öffentlichen Drechselvorführungen gelten die Naßholzdrechsler meist zurecht als besonderer Publikumsmagnet: Zuerst läßt gewaltiges Scheppern, welches beim rund Schruppen des meist riesigen saftfrischen Rohlings durch das Gewicht und damit verbundene Unwucht entsteht, die Besucher aufhorchen. Später ermöglicht es die konsequent schneidende SchältechnikTechnik, die das nasse Holz verlangt, breite Späne als meterlange Luftschlangen durch die Halle fliegen zu lassen! Dann fasziniert die zügige Arbeitsweise, die in dieser Technik möglich, aber auch erforderlich ist, denn zögerliches Arbeiten oder gar längere Arbeitsunterbrechungen würden dazu führen, dass die bereits dünner ausgedrehen Partien am Werkstück viel schneller trocknen und schwinden würden als voluminösere Bereiche. (Zusätzliches Befeuchten zu rasch trocknender Stellen kann der Gefahr der Rissbildung und/oder Verwerfung entgegenwirken.) Zug um Zug zieht der lange Ausdrehhaken nun die Späne aus der rasch größer werdenen Aushöhlung! Aus dem wuchtigen Rohling ist bereits ein filigraner Hohlkörper geworden! WOW! Wandstärken von 2mm für tragbare Holzhüte oder gar 1mm für Lampenschirme, die wohlig warmes Licht durchscheinen lassen, sind für den geübten Grünholz-Drechsler kein Problem. Holzstaub? -Fehlanzeige! Für Lunge und Augen ist Grünholzbearbeitung sicherlich als gesünder anzusehen.

 

Holzrohling auf der WaageMein Freund Manfred ist nicht nur ein kompetenter Gesprächspartner und aufmerksamer Zuhörer bei gemeinsamen Fachsimpeleien, sondern als Waldbesitzer auch mein wichtigster Holzsponsor! Wen wundert es also, dass ein paar Wochen nach unserem Waldspaziergang ein ansehnliches Sortiment frisch geschlagenen Holzes auf meiner Terasse liegt, welches Manfred freundlicherweise schon in Stücke zerlegt hat, die ich noch gut mit meinen Hobbymaschinen weiterbearbeiten kann! Nun ist Eile angesagt, denn die kurzen Stammabschnitte trocknen schnell über die Hirnholzflächen aus und bilden Risse! Lagerung in Plastesäcken als Gegenmaßnahme führen leicht zu Schimmelbildung! Beschichten der Hirnholzflächen mit Wachs, Weißleim, lohnt wohl nur bei wirklich wertvolleren Hölzern, denn es kostet Zeit und Geld und bietet natürlich auch keine absolute Garantie. Das teilweise entfernen der Rinde, das sog. "plätzeln", eine althergebrachte Methode zur Vorbereitung und Pflege saftfrischen Werkholzes, soll eine gleichmäßigere Trocknung von allen Seiten ermöglichen. Wie genau ein einfacher Holzfeuchtemesser vom Diskounter wirklich arbeitet, habe ich bisher nicht überprüft. Führt man allerdings gleich bei der Holzanlieferung eine Referenzmessung durch, kann man durch spätere Messungen den Fortgang des Trocknungsprozesses recht gut abschätzen. Allerdings reicht dazu auch eine in vielen Haushalten vorhandene Personenwaage. Mit dieser kann man dann auch gleich noch kontrollieren, ob die Schlepperei des nassen Holzes und das zurecht hacken der Rohlinge wenigstens bei einem selbst ein paar Pfunde hat purzeln lassen!

Grünholzsortiment: Birke, Rotbuche, EspeBevor ich nun gleich mit dem Verarbeiten meiner Holzspende beginne, bin ich doch noch eine Erklärung schuldig: Ich habe nun so viel vom Grünholzdrechseln geschwärmt und gleichzeitig betont, dass ich damit wenig Erfahrung habe. Wo bitte ist da der Haken? Wanderrechsler früherer Zeiten, die irgendwo am Waldrand die Krone einer dünnen Birke herabbogen, um diese als Rückholfeder für ihre primitive Wippdrehbank, die sie mit sich herumschleppten, zu benutzen, um gleich vor Ort alle Aufträge zu erledigen, die sie beim Abklappern aller Haushalte eines Dorfes erhalten hatten, haben wohl ausschließlich mit dem reichlich vorhandenen Frischholz gearbeitet. Für auf dem Land lebende Drechsler, die vorwiegend bäuerliches Gebrauchsgerät produziert haben hat sich das auch noch lange so erhalten. Für Drechsler, die sich in größeren Städten niedergelassen hatten, war die Situation jedoch schon eine andere: Das Holz musste von weit her antransportiert werden, die Lagermöglichkeiten in städtischen Grundstücken waren begrenzt, Die Verarbeitung ganzer Stämme ist erheblich aufwändiger als die Verwendung von im Sägewerk vorgefertigte Bohlen und verursacht auch erheblich mehr Abfall, der sich wegen des hohen Feuchtegehaltes auch nicht so ohne weiteres verbrennen läßt. Zudem wurden von der Stadtbevölkerung völlig andere Artikel als von der Landbevölkerung nachgefragt. All diese Fakten spielen mehr oder weniger eine wichtige Rolle, wenn man sich als Hobbydrechsler für für eine bestimmte Richtung entscheiden soll. Neben persönlichen Interessen sind Größe und Ausrüstung der Werkstatt, Materialbeschaffungsquellen,Transportmöglichkeiten, Lagermöglichkeiten (ev. auch im Freien) wichtige Gesichtspunkte für eine Entscheidung.  

Riesige Späne füllen beim Grünholzdrechseln rasch die Abfallsäcke.Geschafft! Manfred und ich knipsen ein gemeinsames Selfie um stolz unsere neuen Holzhüte zu präsentieren. Die prallen Spänesäcke muss ich schnell entsorgen, damit sich die  Luftfeuchtigkeit in meinem kleinen Werkraum nicht noch weiter erhöht! Vorsorglich werde ich auch Werkzeuge, insbesondere meine Bildhauerbeitel werde ich vorsoglich auf entstehende Rostflecken kontrollieren und leicht einölen. Mein Fazit: Grünholz zu drechseln macht unglaublichen Spaß. Allerdings wird diese Technik in meiner ansonsten auf "Trockenschnitt" ausgerichteten Hobbywerkstatt wohl nie zur vollen Blüte heranreifen.