tmb steckstuhl3Im Oktober 2016 hatte ich Gelegenheit an einem HolzWerken-Leserseminar der Firmen Bosch und Bessey in Leinfelden teilzunehmen. Die vielen Detailinformationen zu Powertools und Spanneinrichtungen waren kaum zu verarbeiten! Glücklicherweise durften alle Teilnehmer umfangreiches Katalog- und wertvolles Informationsmaterial mit nach Hause nehmen! Das Highlight des ersten Tages war dann eine Besichtigung der Produktionsstätte "Bosch-Powertools" - Leinfelden. Noch spannender fanden die meisten Teilnehmer aber Tag 2. Da ging es nämlich ans praktische Ausprobieren: Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, einen einfachen Steckstuhl zu bauen. Auch Bosch und Bessey wollten dazulernen: Sie schauten uns beim Umgang mit den unterschiedlichen Elektrowerkzeugen und Spanneinrichtungen genau auf die Finger und notierten eifrig, was es aus unserer Sicht zu loben oder zu tadeln gab! Eine Win-win-Situation!

Steckstuhl, beschnitztDie Kleidung ist voller Staub und die Seele voller neuer Anregungen und Motivation. Herr Duhme - der Redakteur von HolzWerken - hilft mir, die beiden Stuhlteile in den Kofferraum zu buxieren. "Wo willst du denn den noch hinstellen?" fragt meine Frau, als ich wieder daheim ankomme. Da fällt auch mir wieder ein, dass wir ja bereits eine voll möbelierte Wohnung haben! Also trage ich die beiden Stuhlhälften erst mal in meinen Hobbykeller. Im Internet suche ich nach Anregungen, wie ich den Stuhl weiter "aufwerten" könnte. Schnell lande ich auf Seiten, die zeigen, dass die zweiteilige Stuhlkonstruktion eine ganze Handwerker-Markt-Szene in zwei Lager gespalten hat: Die einen möchten mit der einfachen Konstruktion gerne Mittelalter-Flair verbreiten! Historiker-Puristen halten allerdings dagegen, dass solche Stühle in unseren Breiten im Mitelalter nicht zu finden waren.

Afrikanische HöhlenzeichnungSie behaupten, die historischen Vorbilder wären afrikanische Geburtsstühle! Zwischen die Fronten der Streitenden möchte ich nicht geraten! Aber den Begriff "Geburtsstuhl" sehe ich als Metapher: Schließlich hoffe ich selbst noch möglichst viele nützliche Ideen zur Welt bringen zu können!
Ein Freund leiht mir das Buch: "Symbole Afrikas". Darin finde ich eine Höhlenzeichnung, welche eine Geburt darstellt. Nur füllt dieses Motiv nicht die gesamte Stuhllehne aus.

Schablone - rotDa kommt mir ein Motiv im Stile der Haida-Indianer wieder in den Sinn, welches ich vor Jahren im Daetz-Cenrum entdeckt habe. Wegen der reizvollen Kombination von Schablonenmalerei und Flachreliefschnitzerei wollte ich es schon lange einmal nacharbeiten. Jetzt bot sich die Gelegenheit. Das Digitalfoto, welches ich im Daetz-Centrum aufgenommen hatte, importiere ich in das Freeware-Vektorzeichenprogramm "Inkscape" und zeichne die Konturen mittels Bézier-Kurven nach. Da ich keinen Schneidplotter besitze, klebe ich zwei Kopien der passend skalierten Zeichnung auf selbstklebende Möbelfolie und schneide die Schablonen für die beiden Farben - etwas mühsam - mit einem Skallpell aus.

schwarze SchabloneUm einen sauberen Rand für das kreisrunden Motives abzugrenzen, baue ich mir einen Stangenzirkel für meine Oberfräse. Damit sich dieser Aufwand lohnt, fräse ich damit auch gleich noch einen Kreis auf die Sitzfläche. Die leichte Innenwölbung der Sitzfläche schnitze und schleife ich dann per Hand. Die Flächen zwischen den Hauptmotiven fülle ich mit schlichten Flechtband-Ornamenten. "Wow!" ruft meine Frau, als ich ihr stolz den fertigen Stuhl präsentiere. "Den wirst Du doch nicht etwa verschenken?" Als ich ihr erkläre, dass ich den Stuhl nutzen will, um darauf neue Ideen zu gebären, wendet sie sich ungläubig ab! Um es zu beweisen, nehme ich hoffnungsfroh Platz und warte auf eine Idee, wie wir das neue Möbelstück doch noch in unsere Wohnungseinrichtung integrieren können.