Design follows function! Ein Dekor sollte zu dem zu schmückenden Gegenstand passen! Was passiert, wenn man gegen solche grundlegenden Gestaltungsregeln verstößt, wußte schon Gotthold Ephraim Lessing trefflich zu formulieren:

Der Besitzer des Bogens
Ein Mann hatte einen trefflichen Bogen von Ebenholz, mit dem er sehr weit und sicher schoß, und den er ungemein wert hielt. Einst aber, als er ihn aufmerksam betrachtete, sprach er: "Ein wenig zu plump bist du doch! Alle deine Zierde ist die Glätte. Schade! - Doch dem ist abzuhelfen!" fiel ihm ein. "Ich will hingehen und den besten Künstler Bilder in den Bogen schnitzen lassen." - Er ging hin; und der Künstler schnitzte eine ganze Jagd auf den Bogen; und was hätte sich besser auf einen Bogen geschickt als eine Jagd?"
Der Mann war voller Freude. "Du verdienest diese Zieraten, mein lieber Bogen!" - Indem will er ihn versuchen; er spannt, und der Bogen - zerbricht. -- Lessing

tmb cuckoo ANein, ein „Möchtegern-Uhrmacher“ bin ich natürlich nicht! Aber wenn an alten Uhrengehäusen gedrechselte oder geschnitzte Teile verloren gegangen sind, konnte ich im Freundeskreis schon öfter helfen. Eine besonders hübsche Herausforderung war einmal der komplette Nachbau eines animierten Kuckucks.

tmb steckstuhl3Im Oktober 2016 hatte ich Gelegenheit an einem HolzWerken-Leserseminar der Firmen Bosch und Bessey in Leinfelden teilzunehmen. Die vielen Detailinformationen zu Powertools und Spanneinrichtungen waren kaum zu verarbeiten! Glücklicherweise durften alle Teilnehmer umfangreiches Katalog- und wertvolles Informationsmaterial mit nach Hause nehmen! Das Highlight des ersten Tages war dann eine Besichtigung der Produktionsstätte "Bosch-Powertools" - Leinfelden. Noch spannender fanden die meisten Teilnehmer aber Tag 2. Da ging es nämlich ans praktische Ausprobieren: Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, einen einfachen Steckstuhl zu bauen. Auch Bosch und Bessey wollten dazulernen: Sie schauten uns beim Umgang mit den unterschiedlichen Elektrowerkzeugen und Spanneinrichtungen genau auf die Finger und notierten eifrig, was es aus unserer Sicht zu loben oder zu tadeln gab! Eine Win-win-Situation!

Relief, Lindenholz: Under Geghen Zanabazar (1635 † 1723)Auch ohne meine „Morin Khuur” , eine kleine Nachbildung einer mongolischen Pferdekopfgeige, die ich von einer meiner Dienstreisen in die Mongolische Volksrepublik in den Jahren 1985 und 1988 als Souvenir mitbrachte, die meine beiden Töchter beim Kasperlespiel längst zerbrochen haben, sind meine Erinnerungen an dieses ferne fremde Land und die Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, hellwach.

 

tmb braid1Während eines Arbeitsaufenthaltes als Service-Ingenieur für wissenschaftliche Geräte im Jahre 1985 in der Mongolei wurde ich von einer jungen Mongolin - Gombosuen Gan-Ölsie - liebevoll betreut, welche, wie ich erfuhr, in meiner Heimatstadt Halle ein Medizinstudium absolvierte. Dank der herzlichen Freundschaft, die sich später in Halle zwischen „Gana“ und meiner Familie entwickelte, konnte ich viel Wissenswertes über die Mongolei erfahren und vielfältige, starke Eindrücke während einer weiteren Mongoleireise sammeln. Nach dem erfolgreichen Abschluß von Gan-Ölsies Studium als Fachärztin kam der Zeitpunkt des Abschiedes. Verständlich also mein Wunsch, für „Gana“ ein besonderes Andenken zu schaffen.

Bild 1: Schnitzübung: Fischstudie, Hochrelief, BirnbaumDas englischsprachige Fachbuch „Relief Carving in Wood“ von Chris Pye wendet sich in erster Linie an Anfänger im Reliefschnitzen: Ein - möglichst selbst entworfener Fisch - wird zunächst als Flach- und danach als Hochrelief ausgeführt. Dieses Projekt unter Beachtung der vielen nützlichen Hinweise nachzuvollziehen, hat mir einen Riesenspaß gemacht!

Geschnitzter SchuhlöffelAus den typischen Anfängerobjekten für das vollplastische Schnitzen wie Modellierhölzer, hölzerne Löffel und Schaufelchen oder ein Salatbesteck habe ich einen Schuhlöffel ausgewählt. Er ist gleichermaßen dekorativ und praktisch. Eine Werkzeichnung steht für registrierte Besucher im Download-Bereich meiner Site zur Verfügung.